Wenn wir Castor hören, könnten wir kotzen. Denn:
Uns kotzt an,
- dass wieder der Castor kommt. Dass der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg immer noch kein Ausstieg ist.
- dass Bullen Pfeffer, CS-Gas und Knüppel gegen uns einsetzen. Dass Spitzel in unsere Strukturen eingeschleust werden. Dass wir vor und nach dem Castor monatelang mit Repression zu tun haben.
- dass wir uns für die Castor-Tage Urlaub nehmen müssen. Dass wir uns zwischen Alltag und Politik entscheiden müssen.
- dass wir zwischen Privatem und Politischem trennen. Zwischen Problemen zu Hause, bei der Arbeit und den Kämpfen auf der Straße.
- dass dynamische Öko-Kapitalisten in der Anti-Atom-Bewegung immer wieder umjubelt werden.
- dass immer wieder mit Parteien kooperiert wird (und sei’s nur für die Finanzierung des Protests) und diese nicht zum Teufel gejagt werden.
- dass der Glaube an „die richtige Partei“ – die es schon besser machen und „unsere“ Interessen richtig vertreten würde – immer noch so weit verbreitet ist. Dabei haben wir doch nun (fast) alle als Regierungsparteien gesehen und jedes Mal haben diese Parteien, seien sie noch so grün, dafür gesorgt, dass uns Papa Staat eins auf die Mütze gibt.
- dass Politik und Presse es jedes Jahr aufs Neue (und das nicht nur beim Castor) schaffen, einige Aktionsformen zu delegitimieren, weil sie ja ach so gewalttätig seien.
- dass Politik und Presse dabei gleichzeitig den ach so braven Soldaten und Bullen in aller Welt ihre Sympathie bekunden und Weihnachtspäckchen schicken.
- dass wir beim Castor lediglich noch die Hoffnung behalten, dass durch das Agieren der Bullen klar wird, was demokratische Grundrechte wert sind, wenn es drauf ankommt…
- dass die Dynamik, die Kollektivität und die Solidarität im Castor-Widerstand mit dem Abzug der Bullen auch wieder verschwindet. Dass sich hier immer nur alles um Atomkraft dreht, so, als ob es reichen würde, diese abzuschalten. Was wir wollen, ist vielmehr als nur dies!
- dass es kaum Solidarisierungen mit Kämpfen von Arbeiter_innen im Energiesektor gibt. Kaum Thema sind Arbeitsbedingungen und die Situation von tausenden Leiharbeiter_innen in AKWs und der Windräder-Industrie.
- dass ein Teil der Linken immer noch denkt, dass es „den Leuten“ zu gut gehe.
Und während wir uns hier auskotzen, kriegen wir kaum noch mit, dass es gewaltig rumort in der Welt und vieles aufbricht:
Aufstände in Nordafrika, eine Streikwelle der Minenarbeiter_innen in Afrika und Chile, Demonstrationen und Platzbesetzungen in fast allen Industrienationen, Riots – und eine herrschende Klasse, die orientierungslos umhertaumelt….
Und:
- In Spanien und den USA zieht die Bewegung in die Stadtviertel, um Zwangsräumungen zu verhindern,
- occupy oakland blockierte einen wichtigen Hafen,
- Leute in den USA beziehen sich auf die Aufstände in Nordafrika
- und diese machen wiederum Soli-Demos für zusammengeknüppelte Leute in Oakland….
Wenn sich die Kämpfe aufeinander beziehen und sich gegenseitig verstärken, kann eine Bewegung entstehen, die wirklich etwas verändert.
Der Bezug aufeinander kann gelingen, wenn wir uns auch über unsere eigenen Bedingungen empören. Und wenn wir uns zusammen empören, kann aus Wut Widerstand werden.
In diesem Sinne: Kotzt Euch aus und macht was draus.
Castor? Finden wir zum Kotzen!
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